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Was ist eigentlich
Weihnachtsmusik? |
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Patrick
Pagendarm blickt in die Geschichte festlicher Lieder
Tecklenburg
- Leeden Dieser Frage ging am Mittwoch der Leiter des Leedener
Kirchenchores, Patrick Pagendarm nach. In unterhaltsamer und mitreißender
Manier brachte er vor einem interessiert lauschenden Publikum
charakteristische Musikstücke
zu Gehör. Einige beispielhafte Lieder wurden gemeinsam gesungen. Typische
musikalische Ausdrucksformen traditioneller Weihnachtsmusik
sind der wiegende Sechsviertel-Takt
bei Krippenliedern, z.B. „Joseph, lieber Joseph mein“, und
der spezielle Siciliano-Rhythmus der Hirtenmusik (Pastorale) mit ihrem
Bordunbass. Die Pastoralmusik stammt von den Pifferari (italienischen
Hirten), die in der Weihnachtszeit mit Flöten und Schalmeien vor
Madonnenbildern musizierten. Bekannteste Vertreter sind Arcangelo
Corelli und Giuseppe Torelli mit ihren Weihnachtskonzerten (Concerti
grossi). Von den italienischen Meistern gelernt haben Johann Sebastian
Bach (Sinfonia in seinem Weihnachtsoratorium) und Georg Friedrich Händel
(Pastoral-Zwischenspiel im Messias). Weihnachtslieder
sind natürlich an ihren Texten erkennbar. Der Ursprung der gesungenen
Texte, die das Weihnachtsgeschehen thematisieren, liegt im Mittelalter.
Als Teil der Liturgie sang der Priester bei der Mitternachtsmesse
lateinische Lieder. Allmählich wurden die Kirchenbesucher einbezogen,
und die Krippenspiele kamen auf. Die Zuhörer im Stiftshof erfuhren in
diesem Zusammenhang von dem barocken Brauch des Kindelwiegens, bei dem
– begleitet von Wiegenliedern oder Pastoralmusik – die Kinder während
der Christmette an der Krippe vorbeiziehen und sie schaukeln. Zu den ältesten
Stücken des 13. bis 15. Jh. gehören das In dulci jubilo ( Nun singet
und seid froh) und der Quempas (Quem pastores laudavere – den die
Hirten lobeten sehre). Ihnen
folgten ab dem 16. Jh. christliche Verkündigungslieder, die den des
Lesens unkundigen Leuten die biblische Botschaft im Gesang beibrachten.
Vor allem die Reformation trug zur Popularisierung des Weihnachtsliedes
bei. Allen voran erkannte Martin Luther mit seinen Weihnachtschorälen
und eindrucksvollen deutschen Texten die Gemeinschaft stärkende Wirkung
des Liedes im Gottesdienst. Beispielhaft
zu nennen ist sein Lied Vom Himmel hoch. Nach
der Beseitigung freiheitlicher Bestrebungen durch die Restauration im
19. Jh. zog sich das Bürgertum ins Privatleben zurück und pflegte den Biedermeierstil. Musiziert wurde in Privatkreisen. Das
Musizieren wurde Bestandteil standesgemäßer bürgerlicher Erziehung.
So entstanden volkstümliche Weisen wie O Tannenbaum,
Kommet, ihr Hirten, Leise
rieselt der Schnee und Süßer die Glocken nie klingen, mit einem
verinnerlicht beschaulichen Charakter. Ab
Mitte des 20. Jh. erfuhr das Weihnachtslied eine kommerzielle,
massenmediale Verbreitung bis hin zum
Pop und Techno-Sound, wogegen die neuen geistlichen Lieder (z.B.
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen) auf den gottesdienstlichen
Bereich begrenzt blieben. Die meisten Medien-Hits vermitteln nicht mehr
die biblische Weihnachtsbotschaft, sondern menschliche Stimmungsbilder. Manfred Rosenthal |
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