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Aktive Teilnahme statt Berieselung
Von Dorte Eilers Osnabrück "Horch was kommt
von draußen rein" ist der Hit an diesem Nachmittag in der
Seniorenwohnanlage Fürstenhof. Ebenso wie "Wenn ich ein Vöglein wär"
oder die "Lorelei". Die Damen in der kleinen Runde bekommen
leuchtende Augen, als Patrick Pagendarm zu seinem Akkordeon greift.
"Früher haben wir dazu getanzt", meint eine ältere Dame
schwärmerisch. |
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Ja. Früher. Da waren diese Volkslieder ganz groß im
Rennen. "Heutzutage wird so etwas kaum noch gespielt", stellt eine
andere Dame unter dem zustimmenden Nicken der Umsitzenden enttäuscht
fest. Das weiß auch Patrick Pagendarm und deshalb ist er hier.
Bereits zum dritten Mal besucht der Musikstudent und gelernte
Krankenpfleger mit Akkordeon und Gedichtband im Gepäck die
Seniorenwohnanlage Fürstenhof. "In Altenheimen besteht ein enormer
Beschäftigungsbedarf", weiß Pagendarm aus seiner Erfahrung als
Krankenpfleger zu berichten. "Die Leute hier sind unheimlich
dankbar, wenn sie die Gelegenheit bekommen, die Lieder von früher zu
singen."
Bloßes Lieblingslieder-Wünschen jedoch ist dem Musikstudenten zu
wenig. "Ich verfolge zwei Ansätze mit diesem
musikalisch-literarischen Angebot", erklärt Pagendarm. "Zum einen
eine therapeutische Komponente: Die Leute sollen nicht nur singen,
sondern auch ihr Gedächtnis anstrengen." Deshalb greift Pagendarm
auch auf unbekannte oder mehrstimmige Lieder zurück, liefert zu
Dichtern und Komponisten biografische Erläuterungen und stachelt
seine "Mitmusiker" gern zu einer Diskussion über Textinhalte an. Die
andere Komponente sei der künstlerische Ansatz. "Ich stimme mein
Programm immer thematisch ab, so dass Gedichte, Lieder und
Erläuterungen eine Einheit bilden", erklärt Pagendarm.
An diesem Nachmittag ist "Liebe und Alltag" an der Reihe. Patrick
Pagendarm singt und rezitiert Gedichte von Brecht, Kästner und
Tucholsky. Die Anwesenden nicken dazu wissend oder murmeln leise die
Texte aus längst vergangenen Zeiten mit. Auch wenn das Lesen der
Liedzeilen hier und da schon etwas schwer fällt: Die alten Melodien
über Liebe und Leid sitzen wie eh und je. Zwischendurch hakt
Pagendarm dann einmal nach: "Was bedeutet eigentlich für Sie Glück?"
Nach kurzem Schweigen folgen in der Tat Überlegungen über die
Bedeutung von Glück: Die Rückkehr des Ehemanns aus der russischen
Gefangenschaft, der Sommer am Strand von Wilhelmshaven, die
Gemeinschaft hier im Wohnheim.
Erinnerungen, wohlige Gefühle, Kommunikation mit den anderen und
Spaß am Singen und an Kultur, das ist es, was Patrick Pagendarm hier
vermittelt. Bisher ist die Seniorenwohnanlage Fürstenhof allerdings
die einzige Einrichtung, die den jungen Musikstudenten für sich
entdeckt hat. "Ich bin aber durchaus auch noch offen für weitere
Interessenten", meint Pagendarm schmunzelnd. "Natürlich gibt es
viele, die sich ins Seniorenheim setzen und vorlesen", so Pagendarm,
"aber ich biete mehr, beriesele die Leute nicht nur, sondern fordere
sie zur aktiven Teilnahme auf." |